Sie sind hier

Pirmasens

1. Kommune im Überblick

Stadt- und Siedlungsstruktur

Grafik: Wappen von PrimasensPirmasens ist eine kreisfreie Stadt im Bundesland Rheinland-Pfalz am südwestlichen Rand des Pfälzerwalds. Die acht Stadtbezirke erstrecken sich auf einem Gebiet von knapp 62 km².  Pirmasens ist topographisch gesehen hügelig, Wald- und Landwirtschaftsflächen prägen die Umgebung der Stadt. Die Städte Landau in der Pfalz, Zweibrücken, Saarbrücken und Kaiserslautern liegen in unmittelbarer Nähe. Pirmasens ist über die Bundesautobahn 8, eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen in Mitteleuropa, gut an das Saarland angebunden, die Bundesautobahn 62 sichert den Anschluss an die Städte Kaiserslautern und Trier. Die Bundesstraße 10, die Pirmasens an die Rheinschiene anbindet, komplettiert die gute Verkehrsanbindung der Stadt. Pirmasens ist über den Nahverkehr der Deutschen Bahn an das nationale Schienennetz angebunden. Über die Nähe zum Flughafen Saarbrücken hat die Stadt auch eine gute Flugverbindung.

Bevölkerungs- und Sozialstruktur

Pirmasens zählt 40.416 Einwohner*innen (Stand 2016) und gehört zu den stark alternden Kommunen Deutschlands. Laut Angaben der Stadt hat Pirmasens seit den 1970er Jahren ein Drittel seiner Bevölkerung im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Strukturwandel verloren, bis 2030 geht man von einer weiteren Bevölkerungsabnahme von minus 10,9 Prozent aus (Wegweiser Kommune, Bertelsmann Stiftung). Dies bekräftigt auch die Altersstruktur der Stadt: Lediglich für die Personengruppen „65-79 Jahre“ (plus 15,3 Prozent) und „80 plus“ (knapp plus 10 Prozent) wird eine positive Entwicklung bis 2030 prognostiziert. Alle anderen Personengruppen werden in unterschiedlichem Maße schrumpfen. Am stärksten betroffen wird die Gruppe der 19- bis 24-jährigen mit minus 27,6 Prozent (Wegweiser Kommune, Bertelsmann Stiftung) sein.

In Pirmasens sind 11,7 Prozent der Gesamtbevölkerung ausländischer Herkunft (Stand 2018), 14,6 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Die größte Gruppe stellen (Spät-)aussiedler.

Aufgrund der vergleichsweise geringen Mieten in Pirmasens sind überdurchschnittlich viele anerkannte Flüchtlinge und Asylbewerber nach Pirmasens gezogen. Derzeit leben rund 1300 anerkannte Flüchtlinge in Pirmasens (Stand März 2018). Seit März 2018 gilt in Pirmasens die Zuzugssperre, so dass nur noch anerkannte Flüchtlinge und Asylbewerber nach Pirmasens ziehen können, wenn sie dort eine Arbeit gefunden haben. Hintergrund hierfür ist die schwierige Arbeitsmarktsituation in der strukturschwachen Region. Die Zuzugssperre gilt vorerst bis März 2019.

Der Anteil der Transferleistungsbezieher ist seit 2014 leicht gestiegen. Die Kinderarmut ist mit 30,5 Prozent relativ hoch und seit 2014 geringfügig gestiegen (Stand 2016).

Foto: ein großer gepflasterter Platz, der mit einer Säulengang umgeben ist und in dessen Mitte eine moderne Skulptur steht.
Exerzierplatz Pirmasens, Foto: Jan Erik Nord

Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Pirmasens liegt wirtschaftlich gesehen günstig mit einer kurzen Entfernung zum Oberzentrum Kaiserslautern und der Metropolregion Rhein-Neckar.

Pirmasens als einstige Schuhmetropole wird auch heute noch von der Schuhindustrie geprägt. Trotz der Abwanderung großer Teile der Schuhindustrie seit den 1970er Jahren haben immer noch zahlreiche weltmarktführende Unternehmen im Bereich der Schuhherstellung und – vertrieb ihren Sitz in der Stadt. Des Weiteren finden sich u.a. Unternehmen aus den Branchen Maschinenbau, Logistik und Lebensmittelproduktion/-handel in Pirmasens. Die Messe Pirmasens bietet Platz für den Wissensaustausch und Netzwerkbildung.

Nicht nur durch den Wegfall der Arbeitsplätze in der Schuhindustrie, auch durch den Abzug der amerikanischen Truppen aus der Stadt sind viele Arbeitsplätze in Pirmasens verloren gegangen. Von dem Verlust der Arbeitsplätze hat sich die Stadt nie ganz erholt. Die Arbeitslosenquote in Pirmasens beträgt derzeit 11,6 Prozent (Stand Dezember 2018) und ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken (-1,2 Prozent). Die Arbeitslosenquote liegt damit aber weiterhin weit über dem Durchschnitt des Landes Rheinland-Pfalz von 4,6 Prozent und des bundesweiten Durchschnitts von 5,2 Prozent.

Wohnen und Infrastruktur

Der Bestand an Wohnungen in Pirmasens beträgt 24.741 (Stand 2017). Der durchschnittliche Mietpreis für Wohnungen beträgt 5,23 Euro pro Quadratmeter (Stand Dezember 2018), und ist seit 2014 um 6,1 Prozent gestiegen. Nach Aussagen der Stadt gibt es einen hohen Gebäudeleerstand in städtischen Teilbereichen, die auch durch Desinvestitionen der Eigentümer geprägt sind.

Pirmasens hat als Mittelzentrum eine gute Infrastrukturausstattung. Als Bildungsstandort für die Region bietet sie im Bereich Forschung, Innovationen und Wissenstransfer mit dem International Shoe Competence Center, der Deutschen Schuhfachschule sowie dem Studiengang „Lederverarbeitung und Schuhtechnik“ wichtige Ausbildungsinstitutionen für die Schuhindustrie.

Die Stadt hat für etliche stadtbildprägende Gebäude, die aufgrund des Strukturwandels leer standen, neue Nutzungen finden und entwickeln können.

So sind als besonderes Wohnungsangebot die P-Town-Lofts hervorzuheben. Der Unternehmer Bernd Hummel begann 1999 mit dem Umbau der ehemaligen Schuhfabrik der Salamander AG zu modernen Wohnlofts. Bis 2009 sind so insgesamt 36 Lofts entstanden. 

Durch einige Umnutzungen von Gebäuden sind neue Kulturstandorte entstanden. Ein Beispiel hierfür ist das Forum Alte Post, das mit dem Aufschwung der Schuhindustrie in Pirmasens als Hauptpostamt fungierte. Nach einer Restaurierung und technischen Modernisierung wird das Gebäude seit 2013 als Kulturstätte mit zwei Dauerausstellungen und dem Elisabeth-Hoffmann-Saal als Ort für Kulturveranstaltungen und Seminare genutzt.

Ein weiteres Beispiel ist das Dynamikum, das als erstes Science Centrum Rheinland-Pfalz‘ 2008 eröffnet wurde. Das Gelände der ehemals größten Schuhfabrik Deutschlands hat sich mit dem Dynamikum mit seiner Ausstellung rund um das Thema „Bewegung“, einer Schule und mehreren Betrieben zu einem Dienstleistungs- und Wirtschaftszentrum entwickelt.

Foto: kleiner Grünstreifen innerhalb der Stadt
Foto: Gudrun Kirchhoff

2. Kommunale Integrationspolitik

Integrationspolitische Strategien und Konzepte

Derzeit liegt kein Integrationskonzept der Stadt Pirmasens vor.

Projekte und Maßnahmen

In Pirmasens gibt es viele Projekte und Maßnahmen zur Integration und Betreuung von Geflüchteten. Nachfolgend werden einige von ihnen angeführt:

  • Interkulturelle Wertevermittlung, z.B. im Projekt „Wertevermittlung an Schulen“.
  • Schaffung von 1-Euro-Arbeitsgelegenheiten für Asylbewerber.
  • Verschiedene Sprachförderprojekte in Kitas und Schulen sowie für Erwachsene.

Akteure und Netzwerke

Im Bundeswettbewerb „Zusammenleben Hand in Hand – Kommunen gestalten“ hat Pirmasens mit dem „Pakt für Pirmasens“ teilgenommen, einem Netzwerk von Haupt- und Ehrenamtlichen zur Zusammenarbeit von Kommune und Zivilgesellschaft. Der Pakt hat es sich zum Ziel gesetzt, die Bildungschancen der von Armut betroffenen Kinder und Jugendlichen in Pirmasens zu verbessern. Das Koordinierungsbüro des Pakts gilt als Schaltzentrale von vielen sozialen Einrichtungen, in der die vorhandenen ehrenamtlichen und staatlichen Initiativen zum bestmöglichen Nutzen bedürftiger Familien gebündelt werden. Der Pakt für Pirmasens ist seit seinem Bestehen durch viele Preise gewürdigt worden, wie beispielsweise den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2013, den Engagementpreis 2012 und den Deichmann-Förderpreis 2017.

Zudem wurde in der Stadtverwaltung eine Koordinierungsstelle geschaffen, mit der Bildungsangebote für Neuzugewanderte besser abgestimmt werden sollen. Pirmasens wird dabei von der Transferagentur „Kommunales Bildungsmanagement Rheinland-Pfalz – Saarland“ unterstützt.

Der Beirat für Migration und Integration ist die offizielle Vertretung der ausländischen Bevölkerung in Pirmasens. Er engagiert sich öffentlich für die politische, rechtliche, soziale und kulturelle Gleichstellung von ausländischen und deutschen Einwohner*innen.

Zudem gibt es den Jugendmigrationsdienst Pirmasens, der Preisträger des 4. Bundeswettbewerbs „Vorbildliche Integration von Aussiedlern“ und Preisträger des „Wettbewerbes zur Integration von Zuwanderern“ geworden ist. Er begleitet Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund bei ihrer Integration in Deutschland. Insbesondere in Fragen zur Berufsplanung, Anerkennung von Bildungsabschlüssen, sowie bei Schullaufbahnentscheidungen steht der Jugendmigrationsdienst den Betroffenen zur Seite.

Die Diakonie Pirmasens bietet einen Fachdienst für Migration und Integration an, der Zuwanderer umfassend in sozialen, finanziellen und persönlichen Angelegenheiten unterstützt, psychosoziale Beratung anbietet und Hilfe im Umgang mit Behörden und anderen Institutionen leistet.

Steckbrief
Bundesland
Rheinland-Pfalz
Landkreis
kreisfreie Stadt
Internetadresse
Einwohnerzahl
40 400