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Saalfeld/Saale

1. Kommune im Überblick

Stadt- und Siedlungsstruktur

Wappen von Saalfeld: zwei Welse, die einander den Rücken zuwenden auf grünem Grund.Saalfeld/Saale im Südosten Thüringens ist Kreisstadt des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt. Das Thüringer Schiefergebirge südwestlich der Stadt sowie die Saale und ihre Nebenflüsse Loquitz und Sormitz prägen die Landschaft. Die Stadt liegt zentral nahe der Großstädte Erfurt, Weimar und Jena und gilt als Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums. Gemeinsam mit den Städten Rudolstadt und Bad Blankenburg bildet Saalfeld/Saale das ²Städtedreieck am Saalebogen“, ein tripolares Zentrum mit einer Fläche von rund 250 km². Eine direkte Anbindung an das Autobahnnetz gibt es nicht. Allerdings ist die Stadt über die Bundesstraßen 85, 90 und 281 an das Bundesfernstraßennetz angebunden. Saalfeld/Saale gilt als wichtigster Eisenbahnknotenpunkt Ostthüringens, sodass täglich Regionalzüge u.a. nach Jena, Leipzig, Gera, Nürnberg und Erfurt verkehren.

Die Saalfelder Feengrotten, ein ehemaliges Bergwerk, ziehen mit ihren farbigen Tropfsteinen jährlich 170 000 Besucher an und begründen den Ruf der Stadt als Tourismusmagnet. Die historische Altstadt und ein breites Kulturangebot zeugen vom touristischen Charakter der Stadt. Die Beinamen Feengrottenstadt und Steinerne Chronik Thüringens untermauern diesen Anspruch. Als erster Kurort in Thüringen erhielt die Stadt Saalfeld/Saale Ende Dezember 2017 zudem die Zertifizierung als „Staatlich anerkannter Ort mit Heilstollenkurbetrieb“.

Bevölkerungs- und Sozialstruktur

Saalfeld/Saale zählt mit 24.716 Einwohner*innen (Stand 30.06.2018) zu den stark schrumpfenden Kommunen Deutschlands. Zwischen 1994 und 2014 musste die Stadt einen Bevölkerungsverlust von 22,3 Prozent hinnehmen. Bis 2030 wird eine weitere Bevölkerungsabnahme von minus 15,1 Prozent erwartet (Wegweiser Kommune, Bertelsmann Stiftung).

Zum 6.07.2018 wurden die Gemeinden Saalfelder Höhe (2.900 EW) sowie Wittgendorf (165 EW) und zum 1.01.2019 die Gemeinden Reichmannsdorf (761 EW) und Schmiedefeld (1.006 EW) eingegliedert. Damit umfasst die Stadt Saalfeld/Saale stichtagsbezogen nun insgesamt 29.550 Einwohner und ein Gebiet von 140,56 km² .

Die Altersstruktur der Stadt (Stadtgebiet bis 05.07.2018) zeigt ein differenziertes Bild. Die relative Entwicklung der Personen über 80 Jahre wird bis 2030 auf  plus 28 Prozent prognostiziert. Auch die Gruppe der 16- bis 18-jährigen soll um 28,9 Prozent steigen. Während die Gruppe der 10- bis 15- jährigen und die der 65- bis 79- jährigen nahezu gleich bleiben soll, wird der Rest der Bevölkerung schrumpfen. Am stärksten betroffen werden die 25- bis 44-jährigen mit minus 30,6 Prozent sein.

Mit 3,9 Prozent (Stand 2018) ist der Anteil ausländischer Bevölkerung in Saalfeld/Saale relativ gering.

Die Stadt hat jedoch vergleichsweise viele Flüchtlinge aufgenommen, die konzentriert im Gebiet Alte Kaserne/Beulwitzer Straße untergebracht sind. Der Ausländeranteil liegt in diesem Gebiet bei 56 Prozent.

Der Anteil der Transferleistungsbezieher als auch die Kinderarmut ist im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt seit 2014 leicht gesunken (Stand 2016).

Foto einer Altstadtstraße, die durch ein Stadttor führt.
Blankenburger Tor, Foto: © Stadt Saalfeld/Saale

Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Saalfeld/Saale bildet mit den Städten Rudolstadt und Bad Blankenburg das „Städtedreieck am Saalebogen“, welches sich als DREIKLANG vermarktet. Die regionale Zusammenarbeit dieses Städteverbundes wurde 2006 vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung als beste Kooperation in Deutschland ausgezeichnet und hat sich seitdem zu einem bedeutenden Wirtschaftsraum in Ostthüringen entwickelt.

Die Wirtschaftsstruktur des Städteverbundes ist vielfältig. Im Bergbau und Verarbeitenden Gewerbe belegt der Landkreis Saalfeld-Rudolfstadt einen der vorderen Ränge aller Landkreise Thüringens.

Prägend für die Wirtschaft ist neben der Industrie vor allem der Mix an mittelständischen Unternehmen aus Medizin-, Metall- und Elektrotechnik, Maschinen- und Sondermaschinenbau, IT und Automation, Handwerk, Lebensmittelproduktion und Handel. Zudem entwickelt sich der Verwaltungs- und Dienstleistungssektor stetig. Der wachsende Gesundheits- und Pflegesektor nimmt zunehmend einen größeren Stellenwert ein, sodass auch die Unternehmen dieser Branche mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Die Thüringen-Kliniken „Georgius Agricola“ GmbH gehören zu den größten Arbeitgebern Saalfelds. Das Kurwesen und die touristische Infrastruktur (Feengrotten, Steinerne Chronik) werden weiter ausgebaut und das Wirtschaftsspektrum verstetigt/verstärkt.

2016 lebten in Saalfeld/Saale 13.557 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, was ungefähr 55 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Saalfelds Arbeitslosenquote liegt bei 6,8 Prozent (Stand 2016) und ist im Vergleich zum Vorjahr um 0,7 Prozent gesunken.

Wohnen und Infrastruktur

Der Bestand an Wohnungen in Saalfeld/Saale beträgt 14.711 (Stand 2016). Der durchschnittliche Mietpreis für Wohnungen liegt bei 5,68 Euro pro Quadratmeter (Stand Dezember 2018) und ist seit 2014 um 6,9 Prozent gestiegen.

Als wichtige Infrastruktureinrichtung ist die bereits o.a. Thüringen-Kliniken „Georgius Agricola“ GmbH zu nennen, die in Saalfeld/Saale ihren Hauptstandort hat. (Akademisches Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Jena). Zudem ist die Stadt Sitz einer der sieben Landespolizeiinspektionen der Thüringer Polizei. Auch die „Medizinische Fachschule Saalfeld“ sowie eine Bildungsstätte der Gewerkschaft „ver.di“ sind in Saalfeld/Saale stationiert.

2. Kommunale Integrationspolitik

Integrationspolitische Strategien und Konzepte

Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt verfügt seit 2011 über ein Integrationskonzept, das laufend angepasst wird.

Projekte und Maßnahmen

Saalfeld/Saale beteiligte sich von 2015 bis 2017 mit drei ausgewählten Quartieren in Randlagen mit besonderen Entwicklungsbedarfen (Alte Kaserne an der Beulwitzer Straße, Stadtteil Gorndorf, Gemeinde Schwarzburg/Schwarzatal) am Wettbewerb „Zukunftsstadt“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Übergeordnetes Ziel war die Etablierung einer Willkommenskultur.

2017 fand auf dem Gelände der alten Kaserne, unweit des Ortsteils Beulwitz, die Zukunftswerkstatt „Zwischenraum zum Ankommen Saalfeld“ statt. Sie ist Teil der IBA Projektfamilie „Arrival Stadtland“, ein Pilotprojekt der Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundes, gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Das Brachgelände, das sich zwischen Flüchtlingsunterkünften und Wohngebäuden befindet, sollte aufgewertet und gleichzeitig die Bewohnerschaft im Stadtteil gestärkt werden.

Saalfeld/Saale wurde mit seinen Integrationsprojekten im Gebiet von der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) als Modellstandort „Alltagsorte der Migration“ ausgewählt. Bei dem TRAFO-Ideenkongress in Halle, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes, wurde die Integrationsarbeit der Stadt als beispielhaft vorgestellt.

Foto: Johanneskirche in Saalfeld
Johanneskirche Saalfeld, Foto: © Stadt Saalfeld/Saale

Akteure und Netzwerke

In Saalfeld/Saale sind eine Vielzahl an Ämtern und Behörden in der Integrationsarbeit tätig. Nachfolgend werden einige von ihnen genannt:

  • Stadtverwaltung Saalfeld
    • Amt für Jugendarbeit/Sport/Soziales
  • Bildungszentrum Saalfeld GmbH
    • Jugendarbeit
    • Quartiersmanagement im Gebiet „Alte Kaserne“
  • AWO Saalfeld
    • Integrationsbüro
  • Caritas
    • Allgemeine Sozialberatung
    • Freiwilligenzentrum
  • Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt:
    • Jugendamt,
    • Integrationsbeauftragte,
    • Sozialamt,
    • Ausländerbehörde

und andere.

Auch außerhalb der Ämter und Behörden sind einige Akteure aktiv, z. B. der FC Saalfeld e. V., Deutsche Soccerliga e.V. und 1. SSV Saalfeld 92 e.V., die Integration und Sport verbinden.

Die Thüringer Ehrenamtsstiftung Erfurt hat den Engagementfond „Nebenan angekommen“ ins Leben gerufen. Mit diesem Fonds soll das bürgerschaftliche Engagement gestärkt, Hemmnisse abgebaut und interkulturelles Verständnis aufgebaut werden. Seit Sommer 2016 hat die AWO in Saalfeld/Saale ein Integrationsbüro ein, das geflüchteten und asylsuchenden Menschen Informationen und Hilfe bietet. Gleichzeitig dient es Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit als Anlaufstelle.

Steckbrief
Bundesland
Thüringen
Landkreis
Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
Internetadresse
Einwohnerzahl
24 700